Neu

Was heißt denn hier Neu?

Neugierige kosten ein Appetithäppchen, Stammgäste können auf einen Blick erkennen, ob einzelne Haiku, Tanka, Haiga oder Haibun von Georges oder Gabriele Hartmann neu veröffentlicht wurden, welches neue Buch der bon-say-verlag gerade herausgegeben hat, ob schon eine Rezension erstellt wurde und vieles mehr.

Allerdings ist nach spätestens drei Monaten auch das Neue nicht mehr neu genug und wird aus dieser Auflistung verschwinden.

Welche Veranstaltung man sich vormerken sollte, sehen Sie unter Termine.

Tipps:

Öfter mal reinschauen, damit Sie nichts verpassen.

Und wenn Sie gerne weitere Haiku, Tanka & Co lesen wollen, klicken Sie unter Verlag die Buchcover an. Dort sind Leseproben und Rezensionen hinterlegt. Und alle Haiga finden Sie unter Markt.

Viel Vergnügen wünscht

Gabriele Hartmann

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neu am 15. Januar 2024

blaue Stunde

Gabrieles neues Haiku-Buch „blaue Stunde„; 131 Haiku 2023

Rezension: Brigitte ten Brink

Gabriele Hartmann legt mit „blaue Stunde“ ihr Haiku-Jahrbuch mit 125 Haiku des Jahres 2023 vor. Wer sie kennt, weiß, dass ihn hier wieder ganz besondere Texte erwarten: tiefgründige, abgründige, nachdenkliche, humorvolle, naturverbundene. Es sind wundervolle poetische und gleichzeitig anschauliche Miniaturen aus dem Leben, dem persönlichen Erleben, aus dem Jahresablauf und den Ereignissen des vergangenen Jahres.

Auch wenn sich die „blaue Stunde“, die der Sammlung den Titel gibt, physikalisch und somit wissenschaftlich erklären lässt, birgt sie im allgemeinen Verständnis etwas Geheimnisvolles, nicht Erklärbares. Dieses besondere blaue Licht, welches wir in der Dämmerung kurz bevor es dunkel wird, wahrnehmen, lässt eine ganz eigene Stimmung aufkommen und birgt eine besondere Faszination, der sich kaum ein Mensch entziehen kann. Das titelgebende Haiku 

blaue Stunde
wo unsere Gefühle 
wurzeln

findet sich auf S. 61. Es beinhaltet eine wunderbare Erklärung dieses Phänomens, denn es geht in die Tiefe menschlichen Empfindens und beschreibt diesen Vorgang mit einfachen Worten.

In Gabriele Hartmanns Haiku geht es grundsätzlich um das Leben in all seinen Facetten, um das äußere und das innere Leben und Erleben und was es mit den Menschen macht. Es ist egal, welche der Seiten in dem postkartengroßen Büchlein mit Ringbindung ein Leser aufschlägt, er wird direkt in den konkreten Augenblick eines Ereignisses gezogen und das auf unterschiedlichste Art und Weise. 

Räuber & Gendarm
eine Stimme
die zum Essen ruft

(S. 6)

und gleich daneben 

altes Tagebuch
mit jedem Wort vertieft sich 
das Brennen

(S. 7)

Auf dieser Doppelseite prallen scheinbar zwei verschiedene Welten aufeinander: Einer mehr oder weniger unbeschwerten Szene aus der Kindheit (wahrscheinlich war es lästig, aus dem Spiel herausgerissen zu werden, um zum Essen ins Haus zu kommen) wird eine Szene aus der Welt eines Erwachsenen gegenübergestellt, der in den Sog der Erinnerungen gerät. Vielleicht gehört aber das erste der beiden Haiku zu eben diesen Erinnerungen und diese Reihenfolge ist beabsichtigt. So wie das ganze Büchlein in seiner Konzeption und der Anordnung der Haiku einer Choreographie folgt, die sich durch das Jahr und die Jahreszeiten bewegt. Es beginnt mit einem Haiku zum Jahreswechsel und es endet mit zwei Haiku, die in der Zeit zwischen den Jahren angesiedelt sind. 

Wintermond
wir zweifeln 
und tasten

(S. 6)

Feiertage wir kalibrieren Frieden

(S. 134)

Synkopen
zwischen den Jahren
Überraschungsgäste

(S. 135)

Drei Haiku, die die Unsicherheit des gesamten Jahres 2023 widerspiegeln. Wohin steuern wir als Individuen aber auch als Mitglieder einer Gesellschaft und Bewohner einer Welt, die alles andere als friedlich ist? Und dann sind da die Leerstellen, die Momente der Überraschung, man könnte auch sagen der Überrumpelung, in denen keiner weiß, wohin Entscheidungen und Ereignisse wirklich führen, was sie bewirken werden. 

Auf den Seiten dazwischen gibt es Haiku-Momente zu lesen, die berühren, erstaunen, dem Leser aus der Seele sprechen, Dinge auf den Punkt bringen, analysieren, zum Nachdenken anregen oder auch einfach „nur“ beschreiben und trotzdem vieles sagen.

herbstlicher Wind
die Kronen der Bäume 
füllen sich mit Himmel

(S. 95)

Es sind Ereignisse aus dem menschlichen und zwischenmenschlichen Bereich, aus dem gesellschaftlichen und sozialen, auch aus dem politischen und immer wieder Bilder aus der Natur und aus der Wissenschaft, für die Gabriele Hartmann eine wunderbare poetische und gleichzeitig konkrete Sprache findet. Und immer wieder auch klingen philosophische und metaphysische Töne an, die ins Übersinnliche gleiten und ins Innerste dringen. 

verlorene Zeit
durch zerbrochene Scheiben
tropft Glockenklang

(S. 74)

Gerne würde ich noch mein Lieblings-Haiku aus diesem Büchlein zitieren, doch ich kann mich nicht entscheiden … 

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neu am 15. Januar 2024
ein Haiga von Gabriele Hartmann

Treibholz 2


Treibholz
im Strom ankert
das alte Jahr

erst: haiku-heute.de; Hrsg. Dr. Volker Friebel

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neu am 15. Januar 2024
ein Haiku von Gabriele Hartmann

Wahlsonntag
der Wind scheitelt
mein Haar


erst auf haiku-heute.de; Hrsg. Dr. Volker Friebel

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neu am 1. Januar 2024
1 Haiku von Gabriele Hartmann

unter Tage
dieses Leuchten
bei Schichtende


erst: Haiga im Focus; Hrsg. Claudia Brefeld

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neu am 1. Januar 2024
1 Haga von Gabriele Hartmann

wo auch immer

wo auch immer
wir uns trafen – war da doch
dieses Leuchten

erst: Haiga im Focus; Hrsg. Claudia Brefeld

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neu am 15. 12. 2023
1 Haiku von Gabriele Hartmann

trockener Husten
in einem Glas gefangen
der Mond


erst haiku-heute.de; Hrsg. Dr. Volker Froebel

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neu am 1.12.2023
3 Haiku von Georges Hartmann

auf dem Bergfriedhof
versinken die Grabplatten
im fallenden Laub

Der Stein vom Bergpfad
dient heut als Briefbeschwerer
Was für ein Abstieg!


Nach der französischen Grenze
die Melodie
des Asphalts

erst Lotosblüte 2023, Hrsg. Österreichische Haiku Gesellschaft

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neu am 1. 12. 2023
2 Haibun von Gabriele Hartmann


PERSPEKTIVEN
Haibun
Der Wind vor dem Regen: kam, blies und ging. Unverrichteter Dinge – wie mir scheint.
Habe durchgeschlafen – fast, jedenfalls. Zwischendurch mal hochgeschreckt: fremde Stimmen, heiseres Lachen, Rauch in der Nachtluft. Ein Blick aus dem Fenster. Wolken: ja … Mond: nein. An ihn gedacht.
Am Morgen meine Frage: Hast du auch die Musik gehört?
Er schaut mich entgeistert an. Nein – das war ja mal ein Unwetter!

Schlaglöcher
randvoll mit Himmel
alles was bleibt

***

UND DANN …
Haibun

„… flatterte das Huhn – ohne Kopf! – über den ganzen Hof.“ Mutters Augen glitzern bei ihrer Kindheitserinnerung vor Abscheu und Faszination. „Damals war Krieg.“ Es soll entschuldigend klingen. Das Tier war Großmutter zugelaufen. Ihm wurde keine Gastfreundschaft gewährt, keine Henkersmahlzeit. Es musste schnell gehen, bevor jemand es vermisste, suchte und fand. Die Axt, der Hackklotz, gestampfter Lehm, der nahe Bach: Das Blut wurde schleunigst weggespült, bevor es gerinnen konnte.
Heute bin ich sieben, etwa so alt, wie sie damals war. Sie setzt den Topf auf die Herdplatte. Wasser, Gemüse, Bohnenkraut, Liebstöckel, Salz. Legt Brennstoff nach. Sie kann gut kochen. Die dicke Suppe wird mir schmecken. Mit dem Wort „Krieg“ kann ich nichts anfangen. Mit „Huhn“ auch nicht.
„Störtebeker …“, beginnt Vater mit tragender Stimme. 

„Jetzt nicht!“, unterbricht Mutter ihn und drückt ihm den leeren Kohleneimer in die Hand.
In 60 Jahren wird man unser Essen „vegan“ nennen, CO2 bepreisen und einander töten – immer noch.

geflügelte Worte
was die Geschichte
uns lehren will

erst Lotosblüte 2023, Hrsg. Österreichische Haiku Gesellschaft

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neu am 1. 12. 2023
5 Haiku von Gabriele Hartmann

Stadt meiner Kindheit
im offenen Fenster
Großmutters Lächeln

Krieg
das Lied in meinem Kopf
will nicht enden


nach dem Gewitter
die Amsel
unplugged

ein Gleitschirm
bauscht sich überm Tal
Angelus-Läuten

nah beim Grab
die gesenkten Köpfe
der Pferde

erst Lotosblüte 2023, Hrsg. Österreichische Haiku Gesellschaft

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neu am 1. 12. 2023
3 Haiku von Gabriele Hartmann

hölzerne Worte
unsere Augen suchen Halt
in der Ferne

stürmische Nacht
König und Dame verborgen
unter Laub

Mittsommer
das Bachbett füllt sich
mit Stille


Sommergras 143, Hrsg. Deutsche Haiku-Gesellschaft e. V.

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neu am 1. 12. 2023
2 Tanka von Gabriele Hartmann

Pfifferlinge
Blattspinat und Wildlachs –  dazu
ein Sauvignon Blanc …
„Liebe geht durch den Magen“
sagst du und servierst den Nachtisch

wie wir uns auch
drehen und wenden
es bleibt unklar
wer die Führung übernimmt
bei diesem Tango


erst haiku.de & Sommergras 143, Hrsg. Deutsche Haiku-Gesellschaft e. V.

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neu am 1. 12. 2023
1 Haiga von Gabriele Hartmann

seidene Laken


seidene Laken
du zeigst mir
dein Morgengesicht


erst Sommergras 143, Hrsg. Deutsche Haiku-Gesellschaft e. V.

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neu am 1. 12. 2023
2 Tan-Renga von Rita Rosen & Gabriele Hartmann

Winter im Hof
die Kinder treten Blumen
in den Schnee

damals klebten unsere Zungen
am Laternenpfahl


RR / GH


Besuch im Heimatdorf
die Häuser kenne ich
niemand grüßt

und auch ich senke den Kopf
angesichts neuer Gräber


RR / GH

erst haiku.de & Sommergras 143, Hrsg. Deutsche Haiku-Gesellschaft e. V.

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neu am 1. Dezember 2023
1 Haiga von Gabriele Hartmann

arktische Kälte


arktische Kälte
wir filzen
eine zweite Lage


erst Haiga im Focus; Hrsg. Claudia Brefeld

neu am 15. November 2023
1 Haiku von Gabriele Hartmann
Herbstanfang
im Wäschekorb sammeln sich
Shorts & Schatten
erst auf Haiku-heute.de; Hrsg. Dr. Volker Friebel
xxx
neu am 15. November 2023
1 Tanka von Gabriele Hartmann
seit Stunden
schreite ich bergan
endlich
am Ziel bin ich
einsamer als Gott
erst einunddreissig.net; Hrsg. Dr. Tony Böhle
xxx
neu am 15. November 2023
1 Tanka-Tanbun von Gabriele Hartmann


KASKADEN
Gegen 2 Uhr tropft es ergiebig, kurz nach 6 Starkregen mit Donner und Stromausfall. Die Amsel beginnt um 7 zu zetern.

wie ein Wasserfall
redest du auf mich ein
die Dusche sei eiskalt
und schließlich verstummt
auch mein Schweigen

erst einunddreissig.net; Hrsg. Dr. Tony Böhle

***
neu am 15. November 2023
1 Tanka-Haiga von Gabriele Hartmann

mein Garten

mein Garten
am Neujahrsmorgen
mir fehlen
die Farben
nicht


erst einunddreissig.net; Hrsg. Dr. Tony Böhle

***

neu am 1. November 2023
1 Haiga von Norbert Flemming (Haiku) &
Gabriele Hartmann (Foto und Gestaltung)

am Watt

am Watt auf tiefem Blau ein Drachen zeichnet den Wind

erst Haiga im Focus; Hrsg. Claudia Brefeld

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Und wo sind jetzt die all schönen Beiträge vor dem 1. November 2023?

Die waren nicht mehr neu genug für NEU.

Tipp:

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Viel Freude beim Stöbern wünscht

Gabriele Hartmann