Neu

Was heißt denn hier Neu?

Neugierige kosten ein Appetithäppchen, Stammgäste können auf einen Blick erkennen, ob einzelne Haiku, Tanka, Haiga oder Haibun von Georges oder Gabriele Hartmann neu veröffentlicht wurden, welches neue Buch der bon-say-verlag gerade herausgegeben hat, ob schon eine Rezension erstellt wurde und vieles mehr.

Allerdings ist nach spätestens drei Monaten auch das Neue nicht mehr neu genug und wird aus dieser Auflistung verschwinden.

Welche Veranstaltung man sich vormerken sollte, sehen Sie unter Termine.

Tipps:
Öfter mal reinschauen, damit Sie nichts verpassen.

Und wenn Sie gerne weitere Haiku, Tanka und Co lesen wollen, klicken Sie unter Verlag die Buchcover an. Dort sind Leseproben und Rezensionen hinterlegt. Und alle Haiga finden Sie unter Markt.

Viel Vergnügen wünscht

Gabriele Hartmann

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neu am 1. August 2020
ein Beitrag von Gabriele Hartmann

Das Fundstück des Monats August 2020 auf Seite 3 der alverde
… ist eins von Gabriele Hartmanns Musenküsschen
Holen Sie sich Ihr Exemplar der Kundenzeitschrift alverde im Drogeriemarkt dm bevor alle vergriffen sind!

Und es gibt auch Musenküsse zu bestaunen!

Der Unterschied?
Musenküsschen sind Rohlinge, aus denen Sie Ihren eigenen Musenkuss gestalten.

Interesse? Schicken Sie mir eine E-Mail.

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neu am 20. August 2020

Buchstabensalat & Leseraum

ein Doppelbuch mit Haiku, Haiga & Haibun
von Georges & Gabriele Hartmann

Cover Buchstabensalat
Buchstabensalat Georges Hartmann

der Clou: Dieses Buch fängt zweimal von vorne an

Cover Leseraum
Leseraum Gabriele Hartmann

Doppelbuch, Ringbindung, 2 x 22 Seiten mit 22 farbigen Abbildungen

nur zu beziehen hier im bon-say-verlag

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neu am 15. August 2020
ein Haiga von Gabriele Hartmann

H am Morgen danach Haiga

am Morgen danach
gemeinsam
neue Tassen kaufen

erst: Haiku-Heute; Hrsg. Dr. Volker Friebel

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neu am 15. August 2020
ein Haiku von Gabriele Hartmann



nackt im Spiegel wir gehen blind über Rot


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neu am 15. August 2020
zwei Tanka von Gabriele Hartmann



an der Maikrone
die verflochtenen Bänder
wie sie wirbeln
im Wind – wollen nichts wissen
von Abstandsregeln


der gleiche Weg
wie damals … erscheint mir
heute länger
nun, da ich als Ameise
wiedergeboren bin

erst: „einunddreißig.net; Hrsg. Tony Böhle

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neu am15. August 2020
Tanka-Prosa von Gabriele Hartmann

End-Zeit

Kinder wie die Zeit vergeht

heute ist Tag
23483 meines Lebens
doch – wie du mir
glaubhaft versicherst –
war ich früher klüger

so lass mich … möglichst viele Fehler machen


nun lerne ich
schon tagein tagaus
bereitwillig hinzu
doch auf den Fliesen im Bad
liegen immer mehr Haare

bald werde ich alt sein und Geschichten erzählen können

eine Menge Staub
wirbelte ich auf – so schien mir
doch hinterließ ich
– bei genauer Betrachtung –
Spuren im Wasser nur

mir scheint … ich habe vergessen wer ich bin


erst: „einunddreißig.net; Hrsg.: Tony Böhle

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neu am 1. August 2020
ein Haiga von Gabriele Hartmann

junge Triebe
nach all den Jahren
diese Stimme

ausgesucht und kommentiert von Gerd Börner:

Klassentreffen. Das Paar, das den Raum betritt, erkenne ich nicht. Sie hat weißes Haar, trägt eine Brille und ist spindeldürr. Er ist glatzköpfig und von erheblicher Leibesfülle. Ich beuge mich fragend zu meinem Freund, der nur verschmitzt lächelt.
Und dann diese Stimmen – wie damals, als wir jung waren …

Gerd Börner

erst: Haiga im Focus; Hrsg.: Claudia Brefeld


neu am 1. August 2020ein Tan-Renga-Haiga von Gabriele Hartmann & Christof Blumentrath

erstes Donnern
aus dem Krisengebiet
im zweiten Stock

wir zählen: einundzwanzig,
zweiundzwanzig

CB / GH

erst: Haiga im Focus; Hrsg.: Claudia Brefeld


neu am 1. August 2020
ein Haiku von Gabriele Hartmann
zu einem Foto von Claudia Brefeld

Foto: Claudia Brefled

schwankendes Licht ich greife nach deiner Hand

ausgesucht und kommentiert von Gerd Börner:

Das Haiku beschreibt den Augenblick, wie jemand durch schwankendes Licht auf dem Meer, in den Bergen, auf einem hohen Turm oder beim Einsteigen in ein Boot von Lichtreflexen irritiert ist, sicheren Halt sucht und nach der helfenden Hand greift.

Text und Foto sind weder beschreibend noch illustrierend, eben haigalike.

Gerd Börner


erst: Haiga im Focus; Hrsg.: Claudia Brefeld




Neu am 15. Juli 2020
eine Rezension von Brigitte ten Brink

Toni Böhle & Gabriele Hartmann
mehr als nur der Winter
6 Tan-Renga; Origami-Booklet; A4 > A7

Klein aber fein wäre für dieses Büchlein untertrieben. Vom Feinsten wird ihm eher gerecht. Die 6 Tan-Renga, die Tony Böhle (TB) und Gabriele Hartmann (GH) zusammen verfasst haben, sind ein Höhepunkt der Tan-Renga-Dichtkunst. Die beiden Autoren, bereits als ausgezeichnete Tanka-Schreiber bekannt, haben hier ihre Kunst zusammengeführt und so sind Tan-Renga entstanden, deren Nachhall den Leser nicht so schnell loslässt. Immer wieder möchte man sie lesen, sich den Worten, dem Rhythmus hingeben und in die Tiefen der Bedeutung eintauchen. Abwechselnd gibt einer von ihnen das Hokku vor und der andere vervollständigt dieses im Unterstollen einfühlsam mit seinen Gedanken und Assoziationen zu den jeweils vorgegeben Zeilen und sensibel hinsichtlich der syntaktischen und semantischen Schwingungen, die das Ganze dann zu einem stimmigen und berührenden Gesamtwerk werden lassen.

ganz scheint es,
mehr als nur der Winter
verließ die Stadt –

halb geöffnet ein Krokus
und das Kameraauge

TB / GH

Jedem der sechs Tan-Renga ist eine Jahreszeit zugeordnet. Eine schöne Verbindung zwischen einem klassischen Aspekt und den (menschlichen) Befindlichkeiten, von denen sie handeln.

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neu am 15. Juli 2020
ein Haiga von Gabriele Hartmann

Herz an Herz


Herz an Herz
die Mechanik des Atmens
dieser Tage

Erst: Haiku-Heute; Hrsg. Dr. Volker Friebel

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neu am 15. Juli 2020
ein Haiku von Gabriele Hartmann
ausgesucht und kommentiert von Réné Possél

Zoom-Konferenz
in der Tiefe des Raums
ein Seufzen

Gabriele Hartmann

In der Zeit des lock-down der Pandemie hat die Notwendigkeit der medialen beruflichen Kommunikation von Gruppen zugenommen: Einander fern sehen im „home office“ ohne sich im Betrieb räumlich nahe zu sein; miteinander reden und sich zuhören – nicht im Büro der Firma, sondern von Wohnzimmer zu Wohnzimmer.
Die jetzt mehr genutzten Möglichkeiten bringen auch neue Unwägbarkeiten, Überraschungen mit sich. Wer von zu Hause aus an einer Konferenz mitwirkt, kann die häuslichen Umstände oder Zwischenfälle nicht immer ausschließen.
Von einer solchen Erfahrung lebt dieses Haiku. Da findet eine „Zoom-Konferenz“ statt, ein Meeting per Video quasi von Wohnzimmer zu Wohnzimmer. Man sieht hinter den Konferenzpartnern dabei oft einen (häuslichen) Raum. Und der hat offenbar seine eigene Dynamik und auch seine Seltsamkeiten.
Da ertönt während einer Konferenz plötzlich „in der Tiefe des Raums“ (ein bekannter Ausdruck aus der Welt des Fußballs; hier mit neuer, geheimnisvoller Bedeutung gefüllt) „ein Seufzen“. Niemand ist zu sehen, Person und Kontext bleiben verborgen – aber das Seufzen ist zu hören und regt die Phantasie an, was da geschehen sein mag und was dieser Laut bedeutet. Vieles ist möglich – mit Bezug zur Konferenz oder auch völlig ohne …
Der gut eingefangene Haiku-Moment kann auch ein Hinweis darauf sein, dass „jeder Mensch seine eigene, geheime, persönliche Welt hat“ (J. Jewtuschenko). Normaler Weise ist uns dies alles verborgen; aber es blitzt eben manchmal unfreiwillig auf, wenn wir uns in der Ferne der heimischen Welten neuerdings nahekommen – wie in diesem zeit-typischen Haiku mit dem „Seufzen in der Tiefe des Raums“.

erst: Haiku-Heute; Hrsg. Dr. Volker Friebel


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neu am 13. Juli 2020
2 Haiku von Gabriele Hartmann


social distance
greater than ever
spring moon

soziale Distanz
größer denn je zuvor
Frühlingsmond

erst: European Kukai 13. Juli 2020
Hrsg: Robert Kania and Krzysztof Kokot

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neu am 1. Juli 2020
1 Haiga von Gabriele Hartmann


Tagtraum

Tagtraum
der Außerirdische küsst mich
auf den Mund

erst: Haiga im Focus; Hrsg.: Claudia Brefeld

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neu am 20. Juni 2020
10 Haiku von Gabriele Hartmann


ich will
dass alles bleibt
wie es ist

Dammbruch
in der Kuhle sammelt sich
Salz

vers
tand
(es)mäßig

all1indern8er3stemichamglückzu2feln

geistERFAHREr

ein fremdes Parfum
ich überprüfe
den Mindestabstand

vorab schon am 1. Juni 2020 auf haiku.de (Haiku- und Tankaauswahl)

Hochzeitstag
deine lächelnden Augen
über der Maske

vorab schon am 1. Juni 2020 auf haiku.de (Haiku- und Tankaauswahl)

im Frühlingslicht
der Frosch vom letzten Jahr
mein Herz tut einen Sprung

Kopfstein-
Pflaster … wir stolpern
über Die Pest

lächelnde Augen
eine der Masken
bist du

Sommergras 129, Juni 2020; Hrsg. Deutsche Haiku-Gesellschaft e. V

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neu am 20. Juni 2020
1 Tanka von Gabriele Hartmann

auch in diesem Jahr
versteck ich bunte Eier
für meine Enkel
als wär nur Ostern
und alles wär in Ordnung

vorab schon am 1. Juni 2020 auf haiku.de (Haiku- und Tankaauswahl)
Sommergras 129, Juni 2020; Hrsg. Deutsche Haiku-Gesellschaft e. V.

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neu am 20. Juni 2020
2 Haibun von Gabriele Hartmann


Salz
Haibun

Ich atme tief durch, schließe die Augen und bin am Meer. Versinke in Erinnerungen. Gleißendes Blau, tosende Brandung, spritzende Gischt, warmer Wind. Schon als Kind war ich hier. Nichts hat sich seither verändert. Oder doch? Dröhnen die Wellen nicht leiser? Damals umfing mich Pinienduft. „Wir müssen gehn“, sagten die Eltern schließlich. Dann rollten Tränen, obwohl ich wusste, ich komme wieder und in der Zwischenzeit brauch ich doch nur die Augen zu schließen, dann bin ich am Meer.
Deine Hand berührt mich. Ich öffne die Augen. „Wir müssen gehn“, sagst du.

Dammbruch
in der Kuhle sammelt sich
Salz


Fastenzeit 2020
Haibun

An unserem Leben hat sich nicht wirklich viel geändert, haben wir doch keine Familie mehr, haben wir nur uns. Sicher, früher fuhren wir täglich zum Einkaufen in die nahe Kleinstadt. Sind die Fußgängerzone hinauf geschlendert bis zum Schloss, wo man in einer alten Telefonzelle Bücher tauschen kann. Gute Gespräche mit Gleichgesinnten: garantiert.

Kopfstein-
Pflaster … wir stolpern
über Die Pest

Bald ist Ostern. In den Gassen der Altstadt haben die winzigen Läden seit Wochen geschlossen. Ihre Inhaber sehen wir neuerdings auf Supermarkt-Parkplätzen, aber nur noch einmal pro Woche und von weitem. Mit keinem plaudern wir mehr.

lächelnde Augen
eine der Masken
bist du

Hierzu ein Kommentar von Horst-Oliver Buchholz:

Gegenwart und Vergangenheit, Erinnerung und das Sein im Hier und Jetzt – in diesem Text werden wir an viele Orte geführt. Die Wege sind verschlungen in den Zeiten, wie geträumt, und doch sind sie konkret im Gegenwärtigen. Das alles ist so kunstvoll verwoben zu einem leichten Stoff, dass man es kaum entflechten oder kommentieren möchte. Sich dem entziehend dann doch ein paar behutsame Gedanken zum Text. Wir lesen von einer Rückkehr – „Schon als Kind war ich hier“ – wir lesen von Pinienduft, wir dürfen also annehmen, dass der Ort am Meer im Süden liegt, das Mittelmeer vermutlich. „Nichts hat sich verändert“ – Beständigkeit in all den Jahren, die jedoch brüchig ist, denn sogleich wird sie in Zweifel gezogen, denn nichts bleibt, wie es ist, durch die Zeiten. Hat sich aber der Ort geändert oder die Wahrnehmung des Ortes, so wie man im Alter den gleichen Ort eben anders erlebt als in Kindertagen? Das bleibt offen. Hier begegnet uns das Motiv des steten Wandels, auch das des Alterns, dies aber in sachter Weise, es wird nicht ausdrücklich genannt, es vermittelt sich durch die sinnlichen Wahrnehmungen, durch Erinnerungen auch. So wird der Prosatext an dieser Stelle bereits zu einem lyrischen. „Wir müssen gehen“, sagen die Eltern, Abschied bricht an, der geliebte Ort muss aufgegeben werden, Tränen fließen. Nur die Erinnerung, das Zurückträumen des Kindes dorthin, vermag Trost zu geben. Dann, wie von einer Traumreise kommend, die jähe Ankunft in der Gegenwart: „Wir müssen gehen“, sagt nun – ein anderer. Die gleichen Worte, die gleiche salzige Erfahrung. Und doch: Hier braucht es, anders als zu den Zeiten des Kindes, keine Zuflucht ins Träumerische, denn eine Hand berührt, und wir dürfen annehmen, dass die Hand geleitend ist, im Sinne von jemanden an die Hand nehmen. Dieser Jemand ist nicht allein, der weitere Weg wird gemeinsam gegangen. So wird dem Abschiednehmen Trost und Zuflucht beigegeben, dem Bitteren Süße beigemischt. Und ist Abschiednehmen nicht zugleich auch ein Aufbruch zu Neuem? Im Haiku sammelt sich etwas, Salz, es wird etwas zusammengeführt. Dies setzt einen Kontrapunkt zum Abschied im Prosateil, der trennend ist. Das Salz knüpft die Verbindung zum Meer. Wie auch der Dammbruch, der sonst ein Unglück ist, das unkontrolliertes Überfließen oder gar Überfluten zur Folge hat – hier führt der Bruch etwas zusammen, er sammelt ein: das Salz, das lebensnotwendige. So führt uns dieses Haibun, geschrieben zu einem besonderen Ort, an viele Orte. Doch verliert sich nichts darin. Es gewinnt indes – mit jedem Lesen.

Kommentiert von Horst-Oliver Buchholz


Sommergras 129, Juni 2020; Hrsg. Deutsche Haiku-Gesellschaft e. V.

***


neu am 20. Juni 2020
4 Renhai von Gabriele Hartmann & Christof Blumentrath


kalter Krieg
die verstreuten Dörfer
tief verschneit

Back in the USSR
noch nicht geschmolzen: der Schnee

Blick hinüber
am Ufer festgefahren
sein Papierschiffchen

GH T GH CB

***

endlose Felder
in changierendem Rot
das 7. Universum

Glass Onion
zerbrochen nun: Zeit und Raum

zweimal gedreht
sein letztes Puzzleteil
Abendzwielicht

GH T GH CB

***

wie ich mich drehe
und wende: Satan starrt
aus dem Spiegel

Revolution 9
geht einfach weiter, Frau Lot

dort!
ein Faden Lametta
im Osterfeuer

GH T GH CB

***

Sommerabend
ihr Körper riecht nach Pferd

Good Night
auf die Stirn geküsst

den Scheitel
der Himmelsleiter krönt
ein Hufeisenmond

CB T CB GH

Sommergras 129, Juni 2020; Hrsg. Deutsche Haiku-Gesellschaft e. V.

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neu am 15. Juni 2020
zwei Haiga von Gabriele Hartmann

Sternennacht

Sternennacht
was wir wussten
damals und was nicht

erst: haiku-heute.de; Hrsg. Dr. Volker Friebel

ein Stern & ein Stern

ein Stern & ein Stern . . . die Distanz in seinen Worten gegen unendlich

erst: haiku-heute.de; Hrsg. Dr. Volker Friebel

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neu am 15. Juni 2020
ein Haiku von Gabriele Hartmann


ob ich spreche
oder schweige – es regnet
Apfelblüten

erst: haiku-heute.de; Hrsg. Dr. Volker Friebel

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neu am 1. Juni 2020
2 Tan-Renga-Haiga von
Christof Blumentrath & Gabriele Hartmann

H tiefe Blicke


tiefe Blicke
sie wünscht sich
nichts

unberührt
die Schale Tee

Vers 1: Gabriele Hartmann
Vers 2 & Foto: Christof Blumentrath

***

Mendocino

Mendocino
der Maurerlehrling pfeift
ein anderes Lied

in den Fugen
ein frischerer Ton

Vers 1: Christof Blumentrath
Vers 2 & Foto: Gabriele Hartmann

erst: Haiga im Focus, Hrsg. Claudia Brefeld


neu am 15. Mai 2020
2 Tanka von Gabriele Hartmann


aufgetaucht
aus der Quarantäne
wie schlank
er doch geworden ist …
mein Frosch vom vergangnen Jahr

die faulen Blätter
ich fisch sie aus dem Teich
nur ganz am Grund
lass ich sie liegen … mir würd’s
– wär ich ein Frosch – gefallen!

erst: www.einunddreissig.net Hrsg.: Dr. Tony Böhle


***

Valeria Barouch schreibt hierzu
Ein Tanka, das mich besonders anspricht


Man kann an Laub, selbst im Zustand nahender Fäulnis, Gefallen finden ohne ein Frosch zu sein, wenn die Umstände ein besonderes Licht darauf werfen. Dieses Tanka hat bei mir sogleich Bilder von einem Besuch der Tropfsteinhöhlen von Vallorbe im Jura vor vielen Jahren wachgerufen. Nach dem Durchwandern der majestätischen Grotten entlang des unterirdischen Flusslaufes der Orbe, schien es unmöglich aus der zauberhaften Welt direkt in den nüchternen Alltag zurückzukehren. Das Erkunden des Waldes war deshalb das Naheliegendste. Es war früh im April, überall lag noch Laub und der Grund eines schmalen Baches war damit teppichartig ausgelegt. Das Licht, das durch noch fast kahle Baumkronen fiel, zeichnete silberne Muster auf das sanft  fließende Wasser. Darauf spiegelte sich auch ein Ast auf dem zartes Grün ein paar Knospen sprengte. Die Blattformen am Grund waren noch klar erkennbar, doch die Farbe kündete die nächste Phase an – die Verwesung. Der lyrische Moment lag wohl mehr in diesem Nebeneinander von Geburt und Zerfall als im Charm des dunkelbraunen Bachgrundes. Ein Frosch hätte sicherlich an dem Blätterteppich auch Gefallen gefunden, allerdings ganz ohne ästhetische Erwägungen. Dessen Tauglichkeit als Schutzplatz oder Überwinterungsort wäre ihm wichtig gewesen.

Dieses Tanka weckte nicht nur poetische Erinnerungen, es ließ mich auch schmunzeln, denn es erlaubt eine Interpretation, die über das  Naturbild hinausgeht.

Besitzer eines Gartenteiches wissen natürlich, dass dieses Glück auch seine Kehrseiten hat. Man muss hin und wieder etwas mehr für dieses Stückchen Natur tun als nur Blätter von der Oberfläche entfernen. Je nach Jahreszeit müssen Pflanzen zurückgeschnitten, Algen entfernt oder sogar Schlamm herausgeputzt werden. Letzteres ist keine Aufgabe um die man sich reißt.

Vielleicht ist dies nun gerade so ein Jahr an dem etwas mehr Einsatz auf der Agenda des Teiches steht, offenbar aber nicht auf derjenigen der Autorin. Ihre Reinigung endet mit dem Bekenntnis „nur ganz am Grund lass ich sie liegen… „. Zeigen die Auslassungspunkte an, dass sie nach einer Rechtfertigung sucht? Ein geschicktes Alibi ist denn auch das Resultat der Überlegung: „mir würd’s – wär ich ein Frosch – gefallen! „. Ob  ein Frosch ihr Recht geben würde, lässt sich nicht eruieren. Mir jedenfalls gefällt die Wendung, welche die Geschichte nimmt.

erst: www.einunddressig.net; Hrsg: Dr. Tony Böhle

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neu am 15. Mai 2020
Tanka-Prosa von Gabriele Hartmann


Königskinder


Auf Straßen und Plätzen kaum Verkehr, ungewohnte Stille. Wären da nicht warnende Stimmen, wollt’ man sich beinah’ daran gewöhnen.

Nudeln kaufen sie
Mehl und Klopapier – klappern
die Läden ab

Über allem der Himmel: strahlend blau und wolkenlos, keine Kondensstreifen. Daran könnt’ man sich gewöhnen.

und ich? putz’ die Rollläden
als hätt’ das auch einen Sinn

Wir werden uns daran gewöhnen. An Warnung & Vorsicht, an Maske & Abstand.

Königskinder
in der Mitte des Stroms
treibt ihr Blick

Lt. heutigen Nachrichten bleiben auch Hochwohlgeborene nicht verschont.

und wir? küssen und umarmen uns
als wär’s zum letzten Mal

Wir?
Wir doch nicht.
Doch nicht wir!

erst: www.einunddressig.net; Hrsg: Dr. Tony Böhle

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neu am 15. Mai 2020
ein Haiga von Gabriele Hartmann

Patient Null


Patient Null
die wirren Locken
unserer Spuren

erst: Haiku-heute.de; Hrsg. Dr. Volker Friebel

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neu am 15. Mai 2020
ein Haiku von Gabriele Hartmann


am Ende
eines langen Tages – Stille
in die Regen fällt

erst: Haiku-heute.de; Hrsg. Dr. Volker Friebel


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neu am 1. Mai 2020
zwei Haiga von Gabriele Hartmann

Frühlingserwachen

Frühlingserwachen
im Tagebuch
ein fremder Duft

erst: Haiga im Focus, Hrsg. Claudia Brefeld

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behutsame Schritte


behutsame Schritte
was Nähe
uns bedeutet

erst: Haiga im Focus, Hrsg. Claudia Brefeld

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Und wo sind jetzt die all schönen Beiträge vor dem 1. Mai 2020?

Tipp:

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Viel Freude beim Stöbern wünscht

Gabriele Hartmann